Ausstellung "50 Jahre Rathaus Gräfelfing" - 18. September bis 27. Oktober

09.09.2017

Der Herbst 1967 war eine Zäsur in der Gräfelfinger Verwaltungsgeschichte: Am so genannten Rößlberg westlich der Bahnlinie wuchs ein neues Gebäude empor. Die berühmte Gastwirtschaft „Weißes Rößl“ musste weichen, um dem Rathaus Platz zu machen. Größer hätte der Kontrast nicht sein können – der Neubau in moderner Sichtbetonbauweise, der auf klare Sachlichkeit und gerade Linien setzte, statt des traditionellen Rößl. Dieses hatte allerdings seine besten Zeiten schon hinter sich. Eine Ausstellung, die von der Abteilung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit organisiert wurde, möchte die Bürgerinnen und Bürger anlässlich des Jubiläums zu einem Ausflug durch die Geschichte des Rathauses, zu seiner Architektur und seiner Entwicklung einladen. 

„Das Amtszimmer des Gemeindeoberhauptes, in dem sich Ausstattung und Größe gegenseitig an Bescheidenheit übertreffen, ist nicht mehr als ein dürftiges Kämmerlein. Der arme Bürgermeister läuft jeden Tag Gefahr, von den Aktenbergen auf seinem antiquierten Schreibtisch erschlagen zu werden(…)“, so launig schilderte Gemeinderat Hans Winter bei den Beratungen zu einem Rathaus-Neubau in den 1960er Jahren die Zustände in der alten „Gemeindekanzlei“, die damals noch im Schulhaus an der Bahnhofstraße untergebracht war. Gräfelfing war seit 1900 rasant gewachsen. Der Anschluss an die Eisenbahnlinie sowie die prosperierende Villenkolonie zogen immer mehr Menschen ins Würmtal. Zählte Gräfelfing 1900 gerade einmal 665 Einwohner, waren es 1920 schon 1.300 und Mitte der 1960er Jahre bereits rund 13.000. Gräfelfing war jetzt die größte Landgemeinde im Großraum München. Die Zunahme der Menschen, die man „verwalten“ musste, bedingte auch eine Ausweitung der Aufgaben für die Gemeinde.

Da es nach 1945 jedoch dringendere Aufgaben für Gräfelfing gab als ein neues Rathaus zu bauen, wurde das Projekt zunächst verschoben. Die Kriegsfolgen belasteten die Würmtal-Gemeinde, es gab Wohnungsnot und viele soziale Aufgaben waren zu bewältigen. Für das Rathaus reichte es nur zum ratenweisen Zusammentragen von Rücklagen. Erst als man über einen gewissen finanziellen Rahmen verfügte, kam das Projekt „Rathaus-Neubau“ wieder auf das Tapet.

Bürgermeister Leopold Bachhuber kauft das Gelände des „Weißen Rößl“

1962 beschloss der Gemeinderat, ein neues Rathaus zu bauen. Der Beschluss war einstimmig. Schon schwieriger gestaltete sich die Suche nach einem geeigneten Bauplatz. Zunächst war es angedacht, im Unterfeld an der Rottenbucher Straße auf einem Eckgrundstück zu bauen. Geplant war ein hoher Turm, der unten die Polizeiinspektion, möglicherweise auch Geschäfte, darüber die Gemeindeverwaltung beherbergen sollte. Diese Lösung war politisch allerdings nicht durchsetzbar. Als ein zweites, infrage kommendes Grundstück zu teuer war, ging Bürgermeister Leopold Bachhuber selbst auf Grundstückssuche. Mit Erfolg: Für 300.000 Mark kaufte er das Grundstück der Gastwirtschaft Weißes Rößl. Der Gemeinderat stimmte dem Kauf rückwirkend zu – ein Vorgehen, das heute in dieser Weise sicher nicht mehr denkbar wäre.

Am 26. Mai 1966 startete der Bau, am 8. Dezember 1966 konnte bereits das Richtfest gefeiert werden. Im Herbst 1967 war das Gebäude fertiggestellt. Daher war auch der Umzug für Dezember 1967 geplant. Durch einen tragischen Unfall an einer Schule beschloss das Landratsamt jedoch, eine zusätzliche Sicherheitsprüfung an dem neuen Bau vorzunehmen, wodurch der Umzug sich verzögerte. Am 22. April 1968 fand die Einweihung statt.

Die Ausstellung in den Fluren des Rathauses macht anhand von Thementafeln, Exponaten,  Originaldokumenten und Zeitzeugen-Zitaten die Rathaus-Geschichte lebendig – ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Architektur der 1960er Jahre sowie auf der Entwicklung Gräfelfings unter der Führung der fünf Bürgermeister seit 1967. Auf drei Stockwerken können Besucher in die Vergangenheit des Gräfelfinger Rathauses eintauchen.

Von Montag, 18. September, bis Freitag, 27. Oktober, wird die Ausstellung in den Fluren des Rathauses zu sehen sein – immer zu den bekannten Öffnungszeiten Montag bis Freitag 8.00 bis 12.00 Uhr, Mittwoch zusätzlich 12.00 bis 18.00 Uhr.

Weitere Hintergrundinformationen zu der Ausstellung: Birgit Doll, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Gemeinde Gräfelfing, Tel.: 089 / 858266; b.doll@graefelfing.bayern.de