In bester Stimmung wurde heute der Spatenstich für den Bohrplatzbau am Neurieder Weg gefeiert. Groß ist die Freude, dass das Vorhaben nun auch draußen an Ort und Stelle sichtbar wird. Mit vielen geladenen Gästen, dem symbolischen Spatenstich, Blasmusik, ein paar Köstlichkeiten und bei strahlendem Sonnenschein wurde dieser Meilenstein gebührend gefeiert.
Bürgermeister Peter Köstler begrüßte die anwesenden Gäste in bester Laune, viele von ihnen namentlich. Schon diese Einführung machte deutlich, dass das größte Vorhaben der Gemeinde einen langen, intensiven Vorlauf hatte und ein weit gespanntes Netz an Akteuren betrifft. Zu nennen sind hier beispielsweise Ingenieure und technische Planer, Berater für das Rechtliche und Kaufmännische, Vertreter der Nachbargemeinden, Vertreter von übergeordneten und Genehmigungsbehörden sowie der angrenzenden Vereine Reitverein und Schäferhundeverein, interessierte Unternehmen als Zulieferer oder Wärmeabnehmer, Bürgermeister und Gemeinderäte verschiedener Amtsperioden, Beschäftigte der Gemeindeverwaltung sowie der Tochterunternehmen der Gemeinde, die Fernwärme Netz Gräfelfing GmbH (FWNG) und die Geothermie Gräfelfing GmbH & Co. KG (GGK).
Ihnen allen dankte Köstler in seiner Begrüßungsrede und spannte den Bogen zurück bis zum Beginn des Vorhabens im Jahr 2009. Damals hatte der Unternehmer Baldur Trinkl den Claim „Planegg“ erworben und damit das Recht, heißes Wasser aus der Tiefe zu fördern. Er ließ detaillierte Voruntersuchungen des geologischen Untergrunds durchführen, um Struktur und Zusammensetzung abzubilden. Diese ergaben, dass mit heißem Wasser in über 3.000 Metern Tiefe zu rechnen ist – wie schon bei zahlreichen zuvor umgesetzten Vorhaben im Landkreis München.
Ab dem Jahr 2014 beschäftigt sich der damalige Gemeinderat mit der Option, den Claim zu erwerben, falls die Firma Trinkl das Vorhaben nicht umsetzen würde. Als sich Baldur Trinkl Ende 2016 endgültig zurückzog, erhielt die Gemeinde die Aufsuchungserlaubnis und konnte die Ergebnisse der Voruntersuchungen übernehmen.
Eine Befragung der Haushalte ergab großes Interesse an der Nutzung von Wärme aus Tiefengeothermie und zeigte den breiten Konsens in der Bevölkerung, woraufhin der Gemeinderat in 2017 den Grundsatzbeschluss fasste, die Versorgung von Gräfelfing mit Wärme aus Tiefengeothermie anzustreben.
Geplant war, sich einen kompetenten Partner für dieses große Vorhaben zu suchen und dessen Fachkompetenz auf dem Feld der Geothermie für Gräfelfing zu nutzen. So wurde nach einer EU-weiten Ausschreibung im April 2022 die GGK gegründet, an der die kommunale Tochter FWNG 51 % und die Silenos Energy GmbH & Co. KG 49 % der Anteile innehatte. In der Phase der Zusammenarbeit konnten entscheidende Genehmigungen für den Bohrplatz, die Tiefenbohrungen, die Heizzentrale und das Fernwärmenetz erreicht werden sowie Förderzusagen in Höhe von über 50 Mio. Euro.
Im Juni dieses Jahres schließlich übernahm die FWNG die Gesellschafteranteile der Silenos Energy, damit sind nun beide Unternehmen, die FWNG und die GGK, zu 100 % in kommunaler Hand. „Ich bin sehr dankbar, dass der Gemeinderat mit seinem einstimmigen Beschluss zur vollständigen Übernahme des Geothermie-Projekts in die kommunale Hand weiterhin ein starkes Signal sendet, den begonnen Weg weiterzugehen und die Wärmeversorgung für Gräfelfing nachhaltig, regional und klimaschonend aufzustellen“, so Bürgermeister Peter Köstler. „Und voraussichtlich wird unser Zukunftsprojekt nicht an der Ortsgrenze enden“, sagte er vor allem an die anwesenden Bürgermeister von Planegg und Neuried, Hermann Nafziger und Harald Zipfel gewandt.
Thomas Banck, seit Dezember 2024 Geschäftsführer der FWNG und der GGK, gab anschließend einen Ausblick auf die nächsten Schritte im Geothermieprojekt: „In den zurückliegenden Jahren sind viele wichtige Vorarbeiten erfolgt, auch durch meine Vorgänger in der Geschäftsführung. Nun sind wir gehalten, das Projekt tatsächlich umzusetzen. Dabei ist es mir wichtig, das gute Einvernehmen mit unseren Nachbarn, den beiden Vereinen hier vor Ort, weiterhin fortzusetzen und wir werden alles tun, um die Einschränkungen, die von den Bau- und Bohrarbeiten ausgehen, möglichst gering zu halten.“
Der weitere stufenweise Ausbau des Fernwärmenetzes folgt dem auf der Website der GGK vorgestellten Plan zunächst entlang der Haupttrassen. „Im Gewerbegebiet können wir bereits auf ein bestehendes Fernwärmenetz zurückgreifen, das Netz der Biowärme Gräfelfing wird zum Jahreswechsel in das Netz der FWNG integriert“, verkündete Thomas Banck.
Risiken, die sich bei solchen Vorhaben nicht von vornherein ausschließen lassen, wie das Risiko der Fündigkeit oder Unwägbarkeiten während der Bohrungen, werden abgesichert. Auch ist die GGK in Gesprächen mit einem weiteren Anbieter von Wärme aus Geothermie, um die Wirtschaftlichkeit des Vorhabens weiter zu erhöhen und das Angebot für die Abnehmer noch attraktiver zu machen.
Schließlich dankte Banck dem Gemeinderat für den politischen Rückenwind, der sich unter anderem in den einstimmigen Beschlüssen zur Geothermie ausdrückt, und äußerte den Wunsch, dass dieses auch in Zukunft so bleibe.
Landrat Christoph Göbel, der als Gräfelfinger Bürgermeister ebenfalls schon mit dem Geothermieprojekt befasst war, weitete den Blick auf den gesamten Landkreis München: „Im Landkreis haben auch dank mehrerer Geothermiebohrungen bereits einen Anteil von rund 30 % in der Wärmeversorgung aus erneuerbaren, regenerativen und lokalen Energiequellen. Vorhaben im Norden und Süden des Landkreises zeigen, dass wir hier Wärme aus der Tiefe nutzen, unsere Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen deutlich reduzieren und dabei den Wohlstand und die hohe Lebensqualität erhalten können.“ Dass es in Gräfelfing nun losgeht, sei eine gute Nachricht für die gesamte kommunale Familie, die Bürger und die Unternehmen und so wünschte er „Glück auf – und alles Gute für den Weg in die Tiefe.“
Website der GGK: Geothermie Gräfelfing - unsere regionale Energiequelle | Geothermie Gräfelfing



