Wohnen ist ein Grundbedürfnis des Menschen – und trotzdem ist eine eigene Wohnung für viele Menschen keine Selbstverständlichkeit. Ein Schicksalsschlag, eine Krankheit, finanzielle Schwierigkeiten oder eine persönliche Krise können dazu führen, dass jemand plötzlich ohne Wohnung dasteht. In einer solchen Situation braucht es nicht nur ein Dach über dem Kopf, sondern vor allem Menschen, die unterstützen, zuhören und gemeinsam nach einem Weg zurück in ein selbstständiges Leben suchen. Genau dafür steht die Arbeit der AWO Wohnungsnotfallhilfe. Seit dem 1. Januar 2010 arbeitet die Gemeinde Gräfelfing mit der AWO zusammen – als zweite Gemeinde im Landkreis München, die dieses Angebot in Anspruch genommen hatte. Zum 15-jährigen Jubiläum fand die jährliche „Suppenküche“ – eine Aktion der AWO Wohnungsnotfallhilfe – dieses Mal vor dem Rathaus Gräfelfing statt.
„Wenn wir heute auf diese 15 Jahre zurückblicken, können wir mit Überzeugung sagen: Wir sind sehr froh, dass wir die AWO an unserer Seite haben“, so Bürgermeister Peter Köstler in seiner Begrüßung. Denn die AWO leistet viel mehr als reine Unterstützung bei der Unterbringung. Sie nimmt die Menschen individuell in den Blick: Was braucht dieser Mensch? Wo steht er gerade? Welche Unterstützung ist notwendig? Das kann ein Behördengang sein, ein Antrag auf Sozialleistungen, ein Verlängerungsantrag oder die Begleitung bei einer Wohnungsbesichtigung. Auch wenn eine Zwangsvollstreckung droht, versucht die AWO, möglichst frühzeitig gemeinsam mit den Betroffenen eine Lösung zu finden. Das ist eine Arbeit, die wir als Gemeinde in diesem Umfang gar nicht leisten könnten. Uns fehlen dafür schlicht die Zeit und die personellen Möglichkeiten. Die AWO bringt hier ihre Erfahrung, ihre Fachlichkeit – und vor allem ihre Zeit für die Menschen ein. Mein besonderer Dank gilt deshalb auch Frau Fees, die unsere Notunterkunft regelmäßig vor Ort betreut. Sie kennt die Menschen, spricht mit ihnen. Denn eines ist uns wichtig: Die Notunterkunft soll keine Dauerlösung sein. Sie soll Menschen in einer akuten Notlage zunächst Sicherheit geben und gleichzeitig dabei helfen, wieder eigenen Wohnraum und damit ein Stück Selbstständigkeit zurückzugewinnen.“
Anschließend bedankte sich Michael Germayer, Vorstand AWO Kreisverband München-Land e.V., für die freundliche Aufnahme in Gräfelfing. „2009 haben wir die Beratung in den Gemeinden gestartet, Gräfelfing war – wie bereits erwähnt – fast vom Anfang an dabei. Die anderen Gemeinden haben nachgezogen und es freut mich, dass heute auch wieder Vertreter der benachbarten Würmtal-Gemeinden hier mit vor Ort sind. Der Verlust der Wohnung ist ja ein ganz einschneidendes Ereignis, vor allem auch für Familien mit Kindern. Und der Weg da wieder da raus, das geht nur partnerschaftlich, Hand in Hand. Unser gemeinsames Ziel ist es, den Betroffenen den sozialen Anschluss wieder zu ermöglichen. Ich bedanke mich bei allen, die dabei mithelfen und die dazu beigetragen haben, den heutigen Tag zu einem rundum gelungenen Ereignis zu machen.“
Stefan Wallner, Leiter der Wohnungsnotfallhilfe AWO Kreisverband München-Land e.V., verglich in seinem Grußwort die Suppenküche mit dem früheren Stadtplatz, wo die Menschen sich trafen, um ins Gespräch zu kommen und Neuigkeiten auszutauschen. „Die Suppenküche symbolisiert ganz gut unsere Arbeitsweise“, so Wallner. „Wir brauchen das Gegenüber, Gesicht und Augenkontakt, die Person bekommt einen Namen und nicht nur eine Nummer. Das ist der größte Schatz, den die Wohnungsnotfallhilfe hat. Darum ist es uns auch so wichtig, mobil zu sein, um zu den Menschen zu kommen. Es geht um den direkten, persönlichen Kontakt und die Begegnung.“
Zuletzt bedankte sich noch Tanja Fees, die die Wohnungslosenunterkunft in Gräfelfing betreut, für die gute Zusammenarbeit mit der Gemeinde Gräfelfing und dabei vor allem mit Sandra Zwillich, mit der sie seit 2016 kooperiert. „Es ist gut, eine Juristin an dieser Stelle zu haben, die sich mit den Gesetzestexten auskennt – und diese zum Wohle der Menschen anwendet. Es ist eine außerordentlich gute Zusammenarbeit mit Gräfelfing und dafür möchte ich mich ganz ausdrücklich bedanken. Auf weitere 15 Jahre!“




