Klausurtagung Verkehr Januar 2018

Über Verkehr in Gräfelfing wird seit Jahrzehnten diskutiert und gestritten. Die Verkehrsmengen und Verkehrsflüsse wurden wiederholt gezählt, untersucht sowie für die Zukunft simuliert.

Für die Klausurtagung im Januar 2018 hatte sich der Gemeinderat vorgenommen, Handlungsfelder und Ziele für ein Gesamtverkehrskonzept für Gräfelfing zu entwickeln, die als Leitlinie die Verkehrspolitik der Gemeinde in den kommenden Jahren prägen sollen. Hier sollen auch die Ideen und Anregungen der Bürgerwerkstatt vom 26. April 2017 mit einfließen. Als Zeithorizont diente das Jahr 2030.

Bevor es an die Entwicklung der Handlungsfelder und ihrer Ziele ging, gab Verkehrsplaner Helmut Ammerl noch einmal einen Überblick über die aktuellen und bis 2030 zu erwartenden Verkehrsmengen. Dabei wurde deutlich, dass Gräfelfing mit seiner Lage zwischen der Landeshauptstadt München, der Autobahn A 96 und den angrenzenden Gemeinden schon heute eine hohe Verkehrsbelastung ertragen muss. Diese setzt sich zusammen aus überwiegend regionalem Durchgangsverkehr (ca. 30 %), Quell- und Zielverkehr aus und nach Gräfelfing (ca. 50 %) sowie einem erheblichen Anteil an Binnenverkehr, der sich nur innerhalb der Gemeindegrenzen bewegt (ca. 20 %). Angesichts des Wachstums der Region und der laufenden Entwicklungen in der Umgebung ist von einer deutlichen Verkehrszunahme auszugehen.

Unterstützt vom Moderatorenteam Ursula Ammermann und Markus Weinkopf (Büro citycom) entwickelten die Gemeinderäte 12 Handlungsfelder zum Thema Verkehr. Um diejenigen Felder zu identifizieren, bei denen es aus Sicht der Räte den größten Handlungsbedarf gibt, wurden sie in eine Reihenfolge nach ihrer Priorität gebracht. Dies war auch erforderlich, weil von Vornherein klar war, dass man im Rahmen der Klausurtagung nur etwa drei Handlungsfelder würde bearbeiten können. Dabei ergab sich folgende Reihenfolge:

-        Durchgangsverkehr aus dem Ort halten

-        Verkehrsfluss zulassen

-        Ziel- und Quellverkehr reduzieren

-        ÖPNV-Angebote schaffen

-        Verbleibenden Verkehr ortsverträglich gestalten: langsam, leiser, weniger

-        Lärmschutz A 96, Lärmschutz allgemein

-        Akzeptanz der Bürger für Entscheidungen des Gemeinderats zum Verkehr erreichen

-        (Motorisierten) Binnenverkehr reduzieren

-        „Unnötigen“ Verkehr reduzieren

-        Nahmobilität fördern (Fußgänger, Radfahrer)

-        Mobilitätsmanagement

-        Gleichberechtigung aller Verkehrsarten

 Die nächste Aufgabe, die die Moderatoren den Gemeinderäten stellten, war die Einigung auf eine Zielformulierung für das erste Handlungsfeld. Es folgte eine engagierte Diskussion darüber, was geeignete Maßnahmen im Handlungsfeld „Durchgangsverkehr aus dem Ort halten“ seien.

Durch die Expertenbeiträge von Helmut Ammerl wurde deutlich, dass die Gemeinde aufgrund der heute schon hohen Verkehrsbelastung so gut wie keine Spielräume bei der Lenkung der Verkehrsströme hat, ohne das Straßennetz zu ergänzen. Die gilt umso mehr für das prognostizierte Verkehrsaufkommen bis 2030.

Dass die Belastung schon heute sehr hoch ist, manifestiert sich unter anderem am nachgewiesenen Schleichverkehr auf nahezu allen Nord-Süd-Achsen in der Gemeinde, also Würmstraße, Rottenbucher Straße, Maria-Eich-Straße und Lochhamer Schlag.

Nach etwa zweistündiger Diskussion und verschiedenen Formulierungsvorschlägen ergab ein Stimmungsbild, dass 16 Räte (von noch 18 anwesenden) folgender Zielformulierung zustimmen können: Der Durchgangsverkehr in Gräfelfing ist 2030 nachhaltig reduziert, baulich verlangsamt und zum Schutz von Wohngebieten bewusst geführt. Zwei Maßnahmen werden hierfür vorgeschlagen: Verkehrsberuhigungskonzept und Entlastungsstraße.

Das zweite Handlungsfeld „Verkehrsfluss zulassen“ sahen die Anwesenden in diesem Ziel mit abgebildet, sodass sich die Gruppe als nächstes den Handlungsfeldern „Ziel- und Quellverkehr reduzieren“ und „ÖPNV-Angebote schaffen“ zuwenden konnte. Beide hatten bei der Priorisierung die gleiche Gewichtung erhalten und gehören inhaltlich zusammen. Daher konnten sie gut gemeinsam bearbeitet werden.

Bei der Zielformulierung für diese beiden Handlungsfelder konnten sich alle Anwesenden wiederfinden: Die Gemeinde verfügt bis 2030 über ein attraktives, modulares Mobilitätsangebot. Der Umstieg zwischen den Verkehrsmitteln ist einfach und komfortabel. Dadurch hat sich der motorisierte Binnen-, Quell- und Zielverkehr deutlich reduziert.

Am Abend gratulierte Moderatorin Ursula Ammermann den Gemeinderäten: „Sie haben heute sehr viel geschafft. Für vier grundlegende Handlungsfelder haben Sie eine Richtung entworfen, auf die Sie sich bei der Abfrage des Meinungsbildes mit großer Einigkeit verständigen konnten.“

Wichtig war den Gemeinderäten zum Abschluss, dass die beiden errungenen Ziele nun zügig in einen Grundsatzbeschluss des Gemeinderats münden, um eine Verbindlichkeit für die nächsten Schritte zu erhalten. „Wir haben schon lange diskutiert und gestritten. Ich bitte dringend darum, dass dem heutigen Tag nun Taten folgen“, appellierte einer der anwesenden Gemeinderäte.

Für einige Handlungsfelder, die den Gemeinderäten ebenfalls wichtig sind, konnten bei dieser Klausurtagung aus Zeitgründen noch keine Ziele formuliert werden. Einigkeit bestand jedoch darüber, dass auch diese Handlungsfelder im Blick bleiben und wieder aufgegriffen werden sollen. In welchem Rahmen sie angegangen werden, wurde aufgrund der fortgeschrittenen Stunde noch nicht endgültig beschlossen. Infrage kommt die Behandlung in den zuständigen Gremien, in einer Sondersitzung des Gemeinderats oder in einer weiteren Klausurtagung.

In der abschließenden Feedback-Runde äußerten sich alle Anwesenden zufrieden über die sehr intensive und konstruktive Zusammenarbeit. „Bitte lassen Sie uns diese Qualität der Zusammenarbeit mit an den Ratstisch nehmen“, war der Wunsch eines Gemeinderats.