Gräfelfinger Mobilfunkkonzept

Seit dem Jahre 2003 verfolgt die Gemeinde Gräfelfing in Sachen Mobilfunk das sogenannte "Gräfelfinger Modell". Das Konzept ermöglicht, dass bei der primär von den Standorten betroffenen Wohnbevölkerung ca. 60 Prozent weniger Strahlenbelastung ankommt. Mit ihrem Mobilfunkkonzept beschreitet die Gemeinde Gräfelfing einen besonderen Weg, der bei der Standortsuche von Mobilfunk-Antennen auf vorher festgelegte Bereiche setzt statt auf die freie Entwicklung des Marktes. 

Dies hat folgende Vorteile:

  • Möglich wird die Entlastung über die immissions- und effizienzoptimierte Platzierung der deutlich höher montierten Antennen. Dabei stehen den Mobilfunkbetreibern von der Gemeinde ausgewiesene Konzeptstandorte zur Verfügung. Im Gegenzug bleiben die restlichen Flächen frei bzw. nicht konzeptgemäße Standorte werden abgebaut.
     
  • Die Entlastung durch die Konzeptstandorte wirkt dauerhaft, da Dachstandorte bei zunehmender Nutzung des Mobilfunks ähnlich erweitert werden müssten wie die Konzeptstandorte. 
     
  • Die Mobilfunk-Versorgung im Gemeindegebiet wird durchgreifend verbessert bzw. in einigen Bereichen überhaupt erst hergestellt. Möglich wird dies aus physikalischen Gründen: Auf dem Weg zwischen den höher montierten Antennen und den Mobiltelefonen müssen die Felder weniger Hindernisse überwinden als bei Dachstandorten. Statt über zahlreiche Dachstandorte kann die Abdeckung mit wenigen Konzeptstandorten gesichert werden. Weil dabei auch die Signale klarer sind, können pro Konzeptstandorts-Antenne wesentlich mehr Daten übertragen werden als pro Dachstandorts-Antenne.
     
  • Die Konzeptstandorte sind zukunftsfähig, d.h. auf Dauer für die Mobilfunkversorgung nützlich. Aus physikalischen Gründen ist es dabei unerheblich, ob der jeweilige Mobilfunk-Standard wie zu Beginn der Konzepterstellung 2G (GSM) / 3G (UMTS) oder aktuell 5G bzw. künftig 6G, 7G oder 8G heißt. 

Der Bedarf an mobilen Sprach- und Datendiensten hat in den vergangenen Jahren erheblich zugenommen und diese Entwicklung setzt sich durch die zunehmende Nutzung mobiler Endgeräte, digitaler Dienste und datenintensiver Anwendungen noch weiter fort. Für eine leistungsfähige Mobilfunkversorgung reicht es daher nicht aus, lediglich eine großflächige Grundversorgung sicherzustellen, sondern es werden zusätzlich Frequenzen benötigt, die eine höhere Datenkapazität ermöglichen. 

Mit der Entwicklung des verbindlichen Standortkonzepts betrat die Gemeinde Gräfelfing juristisches Neuland. Verzögert über Gerichtsprozesse bis hin zum Bayerischen Verwaltungsgerichtshof, bei denen die gemeindliche Planung bestätigt wurde, entstand im Jahre 2017 mit dem Mast am Sportplatz der erste Konzeptstandort. 

Konzeptstandort Sportplatz in 2017 errichtet

Dieser Mast wird bereits von zwei Netzbetreibern genutzt, ein dritter wird in Kürze folgen.

Der Konzeptstandort „Sportplatz“ ersetzt die Dachstandorte Jahnplatz und Freihamer Str. gegenüber dem Rathaus, die zwischenzeitlich abgebaut wurden. 
Der beim Autobahntunnel noch aktive Standort „Maria Eich Str.“ ist gemäß einem vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof geschlossenen Vergleich abzubauen. Sobald auch der dritte Betreiber den Konzeptstandort „Sportplatz“ nutzt, kann auch dieser Standort abgebaut werden. 
Zusätzlich deckt der Konzeptstandort „Sportplatz“ auch den früher unterversorgten Bereich „Gymnasium und Umgebung“ leistungsfähig ab. 

Zum Vergleich: Wenn die Versorgung des Konzeptstandorts „Sportplatz“ stattdessen über Dachstandorte erfolgen soll, wären zusätzlich zu den abgebauten Standorten „Jahnplatz“, „Freihamer Str.“ und „Maria Eich Str.“ auch Dachstandorte in der Umgebung des Gymnasiums erforderlich. 

Mehrere Dachstandorte in der Umgebung des Gymnasiums deswegen, weil die meisten Dächer aus technischen Gründen sowie Annäherung an die Grenzwerte nur die Funksysteme von einem bis zwei Netzbetreibern aufnehmen können. In Deutschland gibt es aber vier Netzbetreiber.

Vorher-Nachher-Messungen

In den Jahren 2017 und 2019 ließ die Gemeinde Vorher-Nachher-Messungen zur Strahlenbelastung durchführen. Entsprechend den von der Bundesnetzagentur veröffentlichten Daten steigt das bundesweit über Mobilfunk übertragene Datenvolumen jährlich um rund 20 bis 40 Prozent. Aus technischen Gründen führen Zuwächse in den Datenraten auch zu Erhöhungen der Strahlenbelastung. In der Zeit zwischen der Vorhermessung im Jahre 2017 und der Nachhermessung (2019) verdoppelte sich das bundesweit übertragene Datenvolumen etwa, was Modernisierungen und Erweiterungen an Standorten und damit auch in Gräfelfing gestiegene Messwerte zur Folge hat.

Da zusätzliche Frequenzbänder bzw. erweiterte Bandbreiten auch bei den Gräfelfinger Dachstandorten installiert würden, bleibt die immissionsminimierende Wirkung des Konzeptes von ca. 60 Prozent bestehen, denn die berechnete Entlastung bezieht sich auf die jeweils gleiche Sendeleistung. Der erste Konzeptstandort am Sportplatz versorgt somit vergleichsweise schonend und effizient.

Konzeptstandort Reitplatz in 2024 errichtet

Der Konzeptstandort „Reitplatz“ wurde 2024 errichtet. Dieser  ersetzt den Dachstandort „Amselweg“, der inzwischen abgebaut wurde. Einher ging dies mit einer Verbesserung der Abdeckung u.a. in zentralen Bereichen Gräfelfings. Ein zweiter Betreiber wird seine Antennen in Kürze montieren. 

Neuer Konzeptstandort „Prof.-Max-Dieckmann-Platz“

Nun ist der Bereich westlich der Bahnlinie bis zum Wallfahrerweg und südlich der Geigerstraße bis zur Gemeindegrenze zu Planegg an der Reihe. Mit der Inbetriebnahme des Konzeptstandorts „Prof.-Max-Dieckmann-Platz“ ist hier mit einer durchgreifenden Verbesserung der Mobilfunk-Versorgung zu rechnen. Zudem  kann der bestehende Dachstandort „Bahnhofstr. 77“ im Zusammenspiel mit den bereits errichteten Konzeptstandorten „Reitplatz“ und „Sportplatz“ außer Betrieb gehen. 

Möchte man eine gleichwertige Herstellung bzw. Verbesserung der Versorgung über Dachstandorte erreichen, wären für den Ersatz des geplanten Konzeptstandorts „Prof.-Max-Dieckmann-Platz“ Mobilfunk-Antennen auf zwei westlich und einem östlich der Bahnlinie gelegenen Dächern sowie der Weiterbetrieb des Standorts „Bahnhofstr. 77“ erforderlich. 

Mobilfunk-Immissionskarte

Parallel zur geplanten Errichtung des dritten Konzeptstandorts ist die Aktualisierung der Mobilfunk-Immissionskarte geplant

Mobilfunk-Immissionskarte

Parallel zur geplanten Errichtung des dritten Konzeptstandorts ist die Aktualisierung der Mobilfunk-Immissionskarte geplant.

 

Weitere Informationen finden Sie unter den folgenden Links:

PDF Mobilfunkmessung vorher

PDF Mobilfunkmessung nachher

PDF Stellungnahme des beratenden Ingenieurbüros vom 5. März 2021

PDF Anliegerinformation (Falken-, Adler-, Finken-, Immelmannstraße) vom 16. März 2021

PDF Informationsbroschüre zum Mobilfunkkonzept, Mai 2017 (1 MB)

PDF Interkommunale Mobilfunkuntersuchung (7,5 MB)

PDF Visualisierung Standort 11 (Am Neunerberg) (5,3 MB)

PDF Standortgutachten vom 23.01.2008 (8 MB)

PDF Ergänzungsgutachten vom 27.05.2013 (12 MB)

Internet Umrechnung von Leistungsflussdichte in Feldstärke

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